Zweite Runde der Aktion Stolpersteine

Gedenken an Staßfurter Otto Hampel

Von Michael Reuter

An den langjährigen Stadtverordneten Staßfurts in der Weimarer Republik und Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbandes Hermann Otto Hampel (1888-1935) hat das Dr.-Frank-Gymnasium gemeinsam mit der Berliner Politikwissenschaftlerin Marion Goers in einer Gedenkfeier am 77. Todestag Hampels erinnert. Die Feier fand unter Beteiligung von Vertretern der Stadt-, Kreis- und Landespolitik mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe in der Aula des Gymnasiums statt.

Otto Hampel floh im März 1933 in Lebensgefahr aus seiner Heimatstadt Staßfurt, nachdem dort wenige Wochen zuvor der mit ihm befreundete Erste Bürgermeister der Stadt, Hermann Kasten, erschossen worden war. Zunächst lebt Hampel in der Illegalität, seit Mitte 1933, dann wieder polizeilich gemeldet, in Hamburg. Dort verhaftete ihn im Februar 1935 die Gestapo. Nach wochenlangen Verhören und Misshandlungen im KZ Fuhlsbüttel nahm er sich am 3. Mai 1935 das Leben (Volksstimme berichtete in ihrer Ausgabe vom 30. April).

Der Schulleiter des Dr.-Frank-Gymnasiums, Steffen Schmidt, sprach zur Begrüßung seinen Dank an Marion Goers aus, auf deren Initiative hin die Gedenkfeier von der Schule veranstaltet wurde. In seinem Grußwort des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalt wies Martin Krems auf die Bedeutung der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus für die gegenwärtige Auseinandersetzung mit rechtsextremen Gedanken und Gewalttaten hin. Krems dankte der Schule für ihren Einsatz als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", auch mit dem Hinweis auf ermutigende Erfahrungen mit dem Widerstand gegen Rechts aus seiner eigenen Biographie.

Brigitte Langguth von der IG Metall Magdeburg-Schönebeck würdigte den Gewerkschafter Otto Hampel als ein mahnendes Beispiel für einen aufrechten Gang in der Zeit des Nazi-Terrors und betonte die Verpflichtung den Opfern von damals gegenüber, über Rechtsextremismus aufzuklären und sich heutigen Nazis entgegenzustellen.

Im Anschluss an einen kurzen Film zum Arbeiterwiderstand im Dritten Reich stellte Marion Goers, deren Engagement auch die Stolpersteinverlegung zu verdank ist, den Lebensweg von Otto Hampel vor.

Dabei hob sie die Bedeutung des Politikers im Widerstand gegen den Nationalsozialismus hervor und verlas u.a. bewegende Worte aus dem Abschiedsbrief des Ehemannes und Vaters zweier Töchter vor seiner "Flucht in den Tod" (so die Inschrift auf dem Stolperstein für Otto Hampel). Der Abschiedsbrief, den die Gestapo den Hinterbliebenen vorenthielt, konnte erst vor wenigen Jahren durch die Recherchen von Marion Goers der Enkelin von Otto Hampel zugänglich gemacht werden.

Die Gedenkfeier wurde musikalisch gestaltet durch Schüler des Gymnasiums.

Der Autor dieses Beitrages, ist Ethik-Lehrer am Gymnasium und Initiator des Arbeitskreises "Stolpersteine", der für Hampel einen Gedenkstein setzen ließ.

 


Stolpersteine - zweite Runde